REVIEW

„NEUES WOHNEN – Zwischen Baukultur und Budget“: RAUM.WERTinstitut diskutiert Wege zu leistbarem und selbstbestimmtem Wohnen

Hier finden Sie die Diskussion in der Mediathek von Okto TV!

Expert:innen aus Architektur, Stadtplanung und Politik haben am 25.09.2025 im Rahmen eines Kamingesprächs mit uns zum Thema „NEUES WOHNEN – Zwischen Baukultur und Budget: Neue Wege zu selbstbestimmtem Wohnen“ diskutiert. Ziel der Veranstaltung war es, innovative Ansätze für leistbares Wohnen zu diskutieren und Partizipation als Schlüssel für Baukultur und soziale Gerechtigkeit zu beleuchten.

Politische Impulse aus Wien

Auftakt der Veranstaltung war ein Grußwort von Vizekanzler Andreas Babler. Er unterstrich in seiner Videobotschaft die gesellschaftliche Bedeutung von Baukultur:

„Baukultur ist die Bühne unseres täglichen Lebens. Baukultur und Wohnen ist kein Luxus – sie ist Daseinsvorsorge und das Fundament für ein gutes Leben für uns alle. Sie verbessert unsere Lebensqualität und sichert Zugang zu öffentlichem Raum und leistbarem Wohnraum.“

Wohnungspolitik als drängendes Thema in der EU

Michaela Kauer, die Leiterin des Verbindungsbüros der Stadt Wien zur EU, gab in ihrer Keynote einen sehr ausführlichen Überblick über die Entstehung der europäischen Wohnungskrise, die aktuellen Entwicklungen auf europäischer Ebene und die Chancen. Sie benannte „die drei Geißeln des europäischen Wohnungsmarktes: Gentrifizierung, Touristifizierung und Finanzialisierung“.

Sie fordert von der europäischen Politik den Willen, in Finanzmärkte einzugreifen, und hob hervor, dass die Europäische Union nun die Chance habe, eine wohnungspolitische Wende einzuleiten: „Es braucht einen Schutzschirm der EU vor der Kommerzialisierung des Wohnens, damit Wohnen für das Gemeinwohl Wirklichkeit wird.“ Gleichzeitig betonte sie, dass kulturelle und lokale Eigenheiten, sowie gender mainstreaming unbedingt Berücksichtigung finden müssen, wenn es um Maßnahmen für leistbares Wohnen geht.

Partizipation & neue Wohnformen

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde wiederholt betont, dass Partizipation für erfolgreiche Baukultur unverzichtbar ist. Elias Molitschnig unterstrich die Bedeutung von Partizipation für die Gemeinwohlorientierung: „Partizipation in der Phase 0 sollte mehr gefördert werden, um Projekte in eine gemeinwohlorientierte Richtung zu lenken.“

Veronika Felber, Mitgründerin und Bewohnerin von Gleis 21, zeigte die Bedeutung von Wohnbauprojekten für die umliegenden Städte auf: „Wohnen in einer Baugruppe bedeutet Verantwortung für einen Stadtteil zu übernehmen; gemeinsam kann man mehr besitzen als alleine.“

Ulrike Schartner betonte die Notwendigkeit einer besseren Nutzung des Bestands, und Anne Graupner brachte ihre Erfahrungen aus Südafrika ein.

 

Die individuelle Ebene der Wohnraumproblematik

Karolin Knote, Teilnehmerin der RAUM.WERTakademie, verwies auf die individuellen Aspekte der Wohnkrise und stellte die Frage nach mangelnder Flexibilität in Bezug auf Wohnen in mitteleuropäischen Ländern. Wibke Ottemeier, ebenfalls Teilnehmerin der RAUM.WERTakademie, thematisierte den Wohnungstausch als ein Instrument gegen den Wohnraummangel, und wies auf ein kaum bekanntes Gesetz in Österreich hin, das Wohnungstausch ermöglicht.

Publikumsimpulse

 Architektin Ursula Schneider plädierte für ein Umdenken: „Das Einfamilienhaus darf kein Statussymbol mehr sein. Downscaling heißt das Zauberwort – und das kann auch freudvoll geschehen.“
Christina Purrer verband in ihrem Statement die Wohnungs- mit der Pflegekrise: „Pflege sollte im unmittelbaren Wohnumfeld möglich sein – generationenübergreifende Konzepte können hier Lösungen bieten.“

Fazit

Das Gespräch machte deutlich: Leistbares Wohnen ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit. Lösungswege liegen in politischer Verantwortung, gemeinwohlorientierten Modellen und echter Partizipation.

 

Wir danken für die Unterstützung: