Was ist die RAUM.WERT­methode?

Die RAUM.WERTmethode ist eine partizipative Methode für die Einbindung und Verständigung von architektonischen Laien und Fachleuten noch vor der eigentlichen Planung eines Neu- oder Umbaus (der sogenannten Phase 0) und stellt die Nutzenden eines zukünftigen Gebäudes in den Mittelpunkt.

Sie hilft dabei, verborgene Potenziale von Räumen und Gebäuden aufzudecken und zu maximieren. Durch die Berücksichtigung immaterieller Faktoren wie sozialer Zusammenhalt und Umweltverträglichkeit trägt die RAUM.WERTmethode zur Schaffung nachhaltiger und lebenswerter Räume bei.

Der Nutzen der RAUM.WERT­methode

Eine gelungene Phase 0 ermöglicht es, die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzenden als klare und eindeutige Ziele für ein Projekt festzulegen.

Durch eine gründliche Analyse in dieser frühen Phase können realistische Budgets festgelegt und mögliche Kostenüberschreitungen vermieden werden. Außerdem können potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und adressiert werden, was das Risiko von teuren Änderungen während späterer Phasen reduziert.

Das Werkzeug: Die 9 RAUM.WERTe

Die RAUM.WERTe sind ein Instrument zur Beschreibung von Bedürfnissen an Raum. Sie sind das Herzstück der RAUM.WERTmethode, und haben sich für die unterschiedlichsten Anwendungen bewährt: Vom kleinsten Zimmer bis zum Stadtraum ermöglichen Sie jedem Menschen, seine individuellen Anforderungen an einen Raum, ein Gebäude oder einen Stadtraum zu formulieren.

Nachvollziehbare Funktionszusammenhänge

Funktionen wirken auf den Raum, nicht umgekehrt!

Die von Menschen geplanten Räume erfüllen bestimmte Funktionen. Sie sind deshalb nicht einfach willkürlich aneinandergereiht, sondern sollen in ihrer Form und Anordnung die Benutzenden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen. Deshalb ist es wichtig, funktionale Abläufe in ihren Zusammenhängen zu erkennen und sie miteinander räumlich nachvollziehbar zu verbinden. Ein Beispiel im Kleinen ist die moderne Küchenplanung, die Arbeitsabläufe, die zusammengehören, sinnvoll nebeneinander anordnet und somit Zeit und Platz spart. Dieser erste RAUM.WERT steht bewusst am Anfang der neun RAUM.WERTe: Es erscheint essentiell und sollte selbstverständlich sein, dass Funktionen, die zusammengehören, sich auch in örtlicher Nähe zueinander befinden. Oder wäre das doch auch anders vorstellbar …?

Orientierung und Übersichtlichkeit

Räume führen uns von sich aus, sie geben Botschaften und Orientierung

Gebäude sollen einladend wirken, zum Eingang führen und die Menschen von dort wie von selbst weiterleiten. Wichtige Bereiche werden so auch ohne Beschilderung gefunden. Besuchende, nicht nur regelmäßig Nutzende, finden sich dadurch intuitiv zurecht und empfinden das Gebäude insgesamt als übersichtlich. Dies schafft unterbewusst ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Ein Wechselspiel von offenen Bereichen und geschützten Ecken ist nicht nur in geschlossenen Räumen wichtig, sondern auch in Außenräumen und ganz besonders bei der Planung von Städten, deren Gebäude ja die Innenwände unseres Stadtraums bilden. Der Sinn dieses RAUM.WERTs ist es, dass sich auch Menschen, die sich erstmals in einem Gebäude aufhalten, gänzlich auf das konzentrieren können, was sie darin zu tun gedenken. Nicht abgelenkt von dem Bemühen, sich zu orientieren, sondern unmerklich, aber sicher durch das Gebäude selbst geleitet und gelenkt.

Raumangebot und Raumqualität

Alles was in einem Raum getan werden soll, muss möglich gemacht werden

In erster Linie erfüllt ein Gebäude einen bestimmten Zweck. Wir wollen darin leben, arbeiten, lernen oder etwas ganz anderes tun. Diesem Zweck muss das Gebäude mit seinem Raumangebot entsprechen. Das heißt, es müssen genügend Räume zur Verfügung stehen, die in Größe und Form das ermöglichen, wofür sie gedacht sind, ohne dabei den wirtschaftlichen Rahmen zu sprengen. Dazu ist es wichtig, die womöglich gegensätzlichen Bedürfnisse aller Nutzenden in Einklang zu bringen und sicherzustellen, dass für alle zu erwartenden Tätigkeiten angemessen Platz zur Verfügung steht. Manchmal sind die Ansprüche, die an einen Raum gestellt werden, so vielfältig, dass die Realisierung einiges an Kreativität erfordert. Wenn wir genauer hinsehen, gibt es nur wenige Räume, die ausschließlich einem einzigen Zweck dienen können – oder muss man sogar sagen: sollen? Denn die Ressource Platz ist kostbar und muss intelligent und vielseitig genutzt werden. All diese Voraussetzungen können nur dann erfüllt werden, wenn wir uns bewusst gemacht haben, was in den geplanten Räumen alles getan werden soll.

Flexibilität | individuelle Entscheidungsmöglichkeiten | Improvisation

Gestern Laden, heute Büro, morgen Wohnraum, übermorgen …

Alles ist im Wandel. Das spiegelt sich in immer wieder wechselnden Raumnutzungen. Wo gestern noch drei Mitarbeitende ihre Büros hatten, ist heute ein Verkaufsraum. Wo heute zwei Kinder schlafen, soll morgen ein Arbeitszimmer entstehen. Wo sich die Anforderungen ändern, muss sich der Raum mit ihnen verwandeln und den neuen Bedürfnissen entsprechen können. Wenn diese Möglichkeiten von Anfang an mitgedacht werden, lassen sich Räume flexibel anpassen und variabel möblieren.

Wegeführung: Weglängen und Wegqualitäten

„Funktionierende“ Räume beruhen auf funktionierender Bewegung

Bewegung und Vernetzung sind entscheidende Faktoren. Raum-Verbindungen sind deshalb besonders wichtig. Wenn sie einladend und angenehm sind, werden Wege ohne Zögern zurückgelegt, es entsteht Dynamik. Wenn man sich in diesen Verbindungsräumen aber nicht wohl oder nicht sicher fühlt, werden sie nicht angenommen und damit auch nicht so oft wie erforderlich genutzt. Dies gilt nicht nur für Wege im städtischen Raum. Die Qualität der Wege und ob sie im Firmengebäude gerne gegangen oder lieber aufgeschoben werden, beeinflusst auch ganz konkret die Effizienz und den Output eines Unternehmens. Leben ist Bewegung. Je weniger wir uns bewegen, umso eingeschränkter wird unser Lebensradius, umso kleiner unsere Welt.

Nähe und Distanz | Hierarchie

Gemeinsam, vereinzelt, alleine – räumliche Verbindung versus Abschottung

Ob Räume geschlossen oder offen gestaltet sind, macht einen großen Unterschied. Kommunikation und Interaktion werden entweder gefördert oder gezielt in Grenzen gehalten, um den Fokus auf eine Tätigkeit zu lenken. In offenen Räumen bekommen Mitarbeitende, die einander sehen oder sogar hören können, Informationen sozusagen nebenbei mit, ohne etwas dafür tun zu müssen, für andere Tätigkeiten ist jedoch konzentrierte Ruhe nötig. Idealerweise bietet der Raum Angebote, um nach Erfordernis zwischen diesen Möglichkeiten flexibel wählen zu können. Allein das Wissen, dass es Möglichkeiten gibt, sich zurückzuziehen – auch um Pause zu machen, zu entspannen oder zu ruhen –, löst viel an Anspannung. Sich hin und wieder – und für manche auch öfter – zurückzuziehen, ist ein Grundbedürfnis, auf das wir manchmal erst hinweisen müssen. Nähe und Distanz haben auch mit Hierarchie zu tun. Im klassischen Konzept des Bürogebäudes sind die Räume, die am weitesten vom Eingang entfernt sind, die der höchsten Positionen; die Vorstandsetage ist die oberste.

Gefühltes Raumklima | Behaglichkeit

Licht | Luft | Farbe | Akustik | Materialien | Möblierung

Es gibt gesetzlich festgelegte Indikatoren für die Kriterien des Raumklimas. Doch Schönheit liegt im Auge der Betrachtenden und ob jemand eine bestimmte Farbe oder ein Material als angenehm empfindet, ist unterschiedlich. Schon kleine Anpassungen, die den persönlichen Vorstellungen flexibel entgegenkommen, können einen Raum lebendig wirken lassen. Bereits der Titel ›das gefühlte Raumklima‹ zeigt, dass es dabei um sehr persönliche Empfindungen und Befindlichkeiten geht. Für Licht, Luft und Akustik gibt es zwar gesetzliche Normen, die eingehalten werden müssen, und man möchte meinen, dass damit die Bedürfnisse der Nutzer*innen abgedeckt wären. Doch während sich z. B. einige Menschen in den heutzutage üblichen hell ausgeleuchteten Büroräumen sehr wohl fühlen, gibt es andere, die lieber in einem abgedunkelten Raum arbeiten, mit einer flexibel einstellbaren Lichtquelle, die eine Art schützende Glocke bildet. Die Wirkung von Pflanzen im Innen- und Außenraum hat die wissenschaftliche Forschung vielfach nachgewiesen. Grünpflanzen wirken auf unser Gemüt, sie verbessern die Raumluft, senken die Temperatur und heben gleichzeitig den Sauerstoffgehalt der Luft. Diese Effekte nutzen wir gerne in Wohnumgebungen, zunehmend aber auch in Geschäfts- und öffentlichen Räumen.

Anziehungspunkte und Verbindungselemente | Lieblingsplätze

Markante Orte schaffen Kommunikationsräume

Das Prinzip, dass Elemente intuitiv als Verbindung wirken – wie ein Spielplatz in einem Park oder eine Sitzgruppe in einem Bürogebäude –, lässt sich auch auf die Planung von Stadträumen und Gebäudegruppen oder innerhalb von größeren Gebäuden anwenden. Ein Brunnen oder Wasserlauf im städtischen Bereich ist ein natürlicher Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste. Ein strategisch günstig platzierter Kaffeetisch in einem Unternehmen schafft zufällige Begegnungen und ermöglicht einen informellen Transfer von Wissen und Informationen. Denn trotz aller neuen Online-Werkzeuge: Den persönlichen Austausch mit Kolleg*innen können sie nicht ersetzen, diesen vermissen die Beschäftigten im Homeoffice am meisten.

Außenwirkung

Selbstbild – Fremdbild

Jede bauliche Maßnahme bedeutet Veränderung des Gewohnten, wirkt auf ihre Umgebung und spricht zu ihr. Aber stimmt der Eindruck, den das Gebäude vermittelt, auch mit dem Bild, das die Verantwortlichen nach außen kommunizieren wollen, überein? Die Wahrnehmung durch Betrachtende unterscheidet sich oft deutlich von der gewünschten Wirkung: Selbstbild und Fremdbild klaffen häufig weit auseinander. Um ein authentisches Gesamtbild zu vermitteln, muss das Gebäude in Lage, Größe, Form, Farben und der Wahl der Materialien „passen“. Erst dann vermittelt es eine in sich stimmige Aussage. Mit diesem RAUM.WERT sprechen wir auch über die Botschaft, die ein Gebäudenach außen vermittelt.

„Räume und Gebäude sollen so gestaltet sein, dass sie den Bedürfnissen der Nutzenden dienen.“

– Ursula Spannberger, Begründerin der RAUM.WERTmethode

RAUM.WERT Gründerin Ursula Spannberger im Porträt

Ablauf eines RAUM.WERTprozesses

Zu Beginn eines RAUM.WERTprozesses steht die Auftragsklärung: Die Auftraggebenden werden unter anderem zu ihren Rollen im Prozess, ihrer Vision und den erforderlichen Schritten befragt. Das Ergebnis ist die Entscheidung, den Prozess zu beauftragen. Eine Steuerungsgruppe wird gebildet.

Das grundlegende Instrument für die beiden darauf folgenden Großgruppenworkshops, die das Herzstück der RAUM.WERTmethode bilden, sind die neun RAUM.WERTe, anhand derer die möglichst zahlreichen Teilnehmenden erst ihr bestehendes Gebäude analysieren (DIAGNOSEworkshop) und später ihre Wünsche an das zukünftige Gebäude artikulieren (VISIONSworkshop). Teilnehmen können alle, die sich sich aktiv für die Zukunft der jeweiligen Organisation einsetzen möchten: Die RAUM.WERTmethode liefert allen das Werkzeug, räumliche Expert*innen für ihr Gebäude zu werden. In der Phase zwischen diesen beiden Großgruppenworkshops finden je nach Bedarf ergänzende prozessbegleitende Projekte wie Schüler*innenworkshops, Modellbauen, Exkursionen, kleine räumliche Experimente, Möbelkunde usw. statt. Außerdem muss in dieser Phase in Unternehmen die Organisationsentwicklung und in Schulen das pädagogische Konzept explizit zum Thema gemacht werden: Deren Weiterentwicklung und die Erkenntnis, wie sehr Raum und Organisation zusammenwirken, sind Grundvoraussetzung für einen gelingenden Neu- oder Umbau.

Das Ergebnis eines RAUM.WERTprozesses ist ein räumlicher Qualitätenkatalog mit Raumprogramm. Dieser wird öffentlich präsentiert und dient als verbindliche Grundlage für die Planungsphase.

Zielgruppen

Wie würden Menschen eine Schule bauen, die tagtäglich darin arbeiten und lernen?

Schulgebäude und andere Bildungsbauten werden zu oft von Personen geplant, die keinen engen Bezug zum Lebens- und Lernraum Schule haben. Viele Schulgebäude leiden früher oder später an Platzmangel, unpraktischen Möbeln, einengendem Brandschutz und starren Raumstrukturen. Ein RAUM.WERTprozessrückt die Bedürfnisse jene Personen, die den Schulraum nutzen und sich darin wohlfühlen sollten, in den Vordergrund: Lehrkräfte, Schüler*innen, Reinigungspersonal, Haustechniker*innen und externe Nutzer*innen wie Vereine oder Musikschulen. In Zusammenarbeit mit Vertreter*innen von Politik und Verwaltung entwickeln wir Raumkonzepte, die modernen pädagogischen Anforderungen optimal entsprechen.

Gemeinden haben eine Vielzahl verschiedenster Bauaufgaben; zu oft passiert es, dass nach der Fertigstellung das große Kopfschütteln beginnt.

Öffentliche Gebäude unter Einbeziehung der Bürger*innen zu planen, braucht einen sehr gut durchdachten Prozess. Die RAUM.WERTmethode unterstützt Sie als Gemeinde dabei, unterschiedliche Interessensgruppen an einen Tisch zu bringen. Nur dadurch gelingt es, dass sich die Menschen mit dem Neubau oder Umbau identifizieren, ihn (mit den notwendigen Kompromissen) mittragen, und so im besten Fall ein neuer Anziehungspunkt in der Gemeinde entsteht.

Ob Umbau oder Neubau: Die Anforderungen an Firmengebäude und Geschäftsräume haben sich in den letzten Jahren enorm gewandelt. Mehr Flexibilität und mehr Raum für Austausch, Teamwork und agile Arbeitsformen (New Work) sind gefragt.

Raum-Entwicklung ist gleichzeitig Organisationsentwicklung: Sie wird nur dann von allen mitgetragen, wenn sie nicht Top-Down verordnet und umgesetzt wird. Möglichkeiten zur Partizipation und Mitgestaltung sind wichtiger denn je. Dadurch gelingt es Ihnen, Ihre bestehenden Teams zu motivieren und neue Bewerber:innen anzuziehen. Denn ein positives und kollegiales Klima spricht sich herum.

Wir unterstützen Sie mit der RAUM.WERTmethode bei Ihrem Neu- oder Umbau: Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden eine Vision für Ihren zukünftigen Arbeitsplatz. So entstehen innovative, effiziente, aber ebenso behagliche Räume, die alle Wünsche erfüllen. 

Die RAUM.WERTmethode ist für Sie, wenn …

  • Sie wissen wollen, wie Sie kreativ stimulierende Arbeitsplätze, gemütliche anregende Treffpunkte und erholsame Inseln für Ihre Mitarbeitenden schaffen können
  • und Sie diese Ansprüche mit den Wünschen Ihrer Kund*innen, aber auch mit Ihrem Budget vereinbaren möchten
  • Sie die Beobachtung gemacht haben, dass Frontalaufstellung in Schulklassen für zukunftsweisendes Lernen ungeeignet ist
  • Sie Sehnsucht danach haben, Ihre Wohnräume zu optimieren und für zukünftige Entwicklungen adaptierbar zu gestalten
  • Sie Menschen mit psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen die Gelegenheit geben möchten, sich an der Planung ihrer Räume zu beteiligen
  • Sie an Human Centered Design für Wohnraum, Bürogebäude oder städtische Freiräume, Gärten und Plätze interessiert sind, deren Nutzer*innen aber nie persönlich kennen lernen werden
  • es Ihnen ein Anliegen ist, dass der umfassende Einfluss, den Raum auf unser Leben, auf unser Wohlbefinden, auf unser ganzes menschliches Sein hat, Allgemeingut wird